Schweizer Botschaft

Addis Abeba

 

Offener Wettbewerb - 1. Rang

mit Bühler Hartmann

Oktober 2018

Konzept und Umgebung

In die hohe, dem Perimeter strikt folgende Umfassungsmauer sind vier Volumina eingeschrieben, welche mittels eines fragmentierten Daches und einer darunterliegenden Erschliessungsebene miteinander verbunden sind und so als ein zusammenhängendes, rechteckiges Gebäude wahrgenommen werden. Auf diese Weise entsteht ein minimalinvasiver Eingriff, welcher sich die vorhandene Topografie zu Nutze macht und den Pflanzenbestand respektiert. Die einzelnen Gebäudeteile sind ihrer Nutzung entsprechend und rund um einen grossen Hof organisiert.

Auf der Gartenebene fliesst ein organisches Aussenraumgefüge frei durch das Areal und schafft damit eine stark durchgrünte Parkatmosphäre mit vielfältigen Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Erschliessungsflächen, die Parkplätze und das Wegenetz werden mit einem erdtonähnlich eingefärbten Magerbeton gefertigt, der sich an der traditionellen lokalen Bauweise orientiert. Die Grünflächen bestehen aus einer naturnahen Rasenmischung und aus repräsentativen Blumenbeeten mit Sträuchern. Die vier geschützten Bäume und viele weitere können erhalten werden. Die neue ergänzende Bepflanzung orientiert sich an den bereits vorhandenen Pflanzenarten, lokaltypische Arten werden jedoch bevorzugt. Grünflächen, die teilweise im Trockenschatten liegen, werden mit geeigneten robusten Gräserarten bepflanzt. Im erweiterten Parkplatzbereich ermöglichen filigrane Rasengittersteine eine durchgehende Begrünung der Parkplätze, die sich damit elegant in die Parkstruktur einordnen. Das Gelände wird so modelliert, dass das anfallende Meteorwasser in ein freigespieltes Retentionsvolumen im tiefsten Teil des Grundstücks fliesst. 


Programm und Erschliessung

Die raumprogrammatische Anordnung folgt den jeweiligen Sicherheitsstufen und dem Öffentlichkeitsgrad der einzelnen Nutzungen. So befinden sich die, für die Öffentlichkeit oder Besucher bestimmten Nutzungen wie das Konsulat oder die repräsentativen Räume der Botschaft auf dem Gartenniveau. Die halböffentlichen und privaten Räume der Botschaft und die Büroräume mit erhöhter Sicherheitsstufe befinden sich in den Obergeschossen. Die jeweils obersten Geschosse sind über eine aufgeständerte Plattform miteinander verbunden, welche so den direkten Austausch zwischen Botschaft und Kanzlei ermöglicht. Ebenfalls auf diesem Geschoss sind zusätzliche Arbeitsplätze als Coworking Spaces eingerichtet und die Angestelltenzimmer vorgesehen. Die teils gedeckten Aussenbereiche laden zum diskutieren und besprechen unter freiem Himmel ein. So soll eine Art Campus für den täglichen Botschaftsbetrieb entstehen, welcher komplett unabhängig von den Besuchern und Kunden funktionieren kann.


Gebäude- und Materialisierungskonzept

Die Primärenergie wird zu 100% von der Sonne mit auf dem Dach aufgeständerten PVT Kollektoren bezogen. Ihr Stromertrag deckt den lokalen Bedarf im Sommer und ermöglicht die Nutzung eines Batteriespeichers zur Notstromversorgung. Eine Niederhubwärmepumpe bezieht die Quellwärme ausschließlich aus einem saisonal regenerierten Erdwärmespeicher mit einer Tiefe von 450m. Die Wärmeabgabe erfolgt über Fussbodenheizungen und die Temperierung der Zuluft. Das gleiche hydraulische System liefert im Sommer einen Teil der Regenerationswärme für die Erdwärmesonde und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Die Primärstruktur der Plattform und des darüberliegenden Daches besteht aus einer Rasterdecke in Stahlbeton. Die Füllungen sind in Anlehnung an die bewährte Hourdisdecke und zur Senkung der Grauenergie aus gebrannten Lehmziegeln, welche mit einem Leichtbeton vergossen werden. Die ausbetonierten Stahlstützen befinden sich einerseits in der Fassadenebene der Gebäude und anderseits in den Kreuzpunkten der Rasterdecke, wo sie jeweils zu einer Viererstütze zusammengefasst werden. Die Gebäude sind zugunsten eines besseren Raumklimas als Massivbau konstruiert. Die Fassade ist zu grossen Teilen verglast und verfügt über einen aussenliegenden, ausstellbaren Holzrollladen. Die Wände sind aus Lehmziegeln und mit einem Kalkputz versehen. Das Dach wird zur Regenwasserspeicherung als Nassdach ausgeführt.

PROJEKTE